Map exportieren

ALF-Adventskalender 2025

Akademie für Leseförderung Niedersachsen

Hier erscheint ab dem 1. Dezember täglich ein neuer Buchtipp - seid gespannt!

1.12.2025: Archibald allein im Wald

  • © Magellan

  • Archibald allein im Wald: ein Weihnachtsbilderbuch
  • Wer denkt bei dem Namen Archibald an eine Tanne? Erst einmal wohl niemand! Tatsächlich handelt dieses Weihnachtsbilderbuch aber von der Tanne Archibald, die ein Problem hat: Sie wäre so gerne ein Weihnachtsbaum, ist aber schief und krumm. Dazu ist sie mit einer Größe von einem Meter sehr klein, nadelt und hat zu allem Übel zwei Spitzen. Kein Wunder, dass am Ende alle anderen Weihnachtsbäume - außer Archibald - Käufer:innen gefunden haben. Er bleibt alleine im Wald stehen. Heiligabend fängt es an zu schneien und Archibald hätte wahrscheinlich Weihnachten mit den Tieren feiern müssen, wenn nicht noch ein Junge und sein Vater einen Weihnachtsbaum „auf den letzten Drücker“ hätten besorgen müssen. Doch dann hat der Junge eine ganz andere Idee: Wie wäre es, wenn sie die Tanne stehen lassen, vor Ort als Weihnachtsbaum dekorieren und hier im winterlichen Wald Weihnachten feiern?
  • Dieses in plakativen, bunten Farben illustrierte Weihnachtsbilderbuch, das in Reimform geschrieben ist, eignet sich sehr gut zum Vorlesen.
  • Norman Klaar, Jess Rose: Archibald allein Wald. Bamberg: Magellan, 2024. Ab 3 Jahren.

2.12.2025: Bastelspaß zu Weihnachten

  • © Gerstenberg

  • Inspiration für Weihnachtsbasteleien
  • „Weihnachtszeit ist Bastelzeit!“ – und dafür gibt es im Bastelbuch „Bastelspaß zu Weihnachten“ von Sabine Lohf vielfältige Anregungen für Kinder ab 4 Jahren. Von selbst gemachten Kränzen aus Tannenzweigen oder Schleifenband über weihnachtlich gestaltete Briefumschläge bis zu Engeln aus Muffinförmchen liefert das Buch vielfältige Inspiration für kleinere und größere Bastelprojekte in der Weihnachtszeit. Viele Basteleien lassen sich individuell variieren und alle kommen zumeist mit wenig Material aus. Alle Anleitungen werden außerdem durch liebevoll gestaltete Bilder begleitet und visualisiert. So liefert das Buch Anregungen für Dekorationen oder kleine selbstgemachte Geschenke, um die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen.
  • Sabine Lohf: Bastelspaß zu Weihnachten. Hildesheim: Gerstenberg, 2025. Ab 4 Jahren.

3.12.2025: Stolz und Vorurteil. Die Graphic Novel nach Jane Austen

  • © Loewe

  • Miss Elizabeth und Mister Darcy als Graphic Novel
  • Wer sie noch nicht kennt, die romantische Liebesgeschichte zwischen Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy, 1813 verfasst von Jane Austen, der kann sie nun als Graphic Novel erleben und diese Kombination aus Bildern und Text für ein schnelles Lesevergnügen nutzen.
  • Elizabeth Bennet ist die zweitälteste von fünf Töchtern einer verarmten adligen Familie auf dem Land. Als der vornehme und reiche Junggeselle Mr. Bingley in die Nachbarschaft zieht, hoffen alle unverheirateten Frauen der Umgebung darauf, ihn für sich zu gewinnen. Dies gelingt Elizabeths älterer Schwester Jane zwar recht schnell, jedoch intervenieren Bingleys Schwester und sein Freund Darcy, da beiden die Familie Bennet als zu arm und vulgär erscheint. Elizabeth ist abgestoßen von Darcys Überheblichkeit und wütend, dass ihre Schwester wegen ihm unter der Trennung von Bingley zu leiden hat. Als jedoch die Familie Bennet einige unangenehme Vorfälle ereilen, ist es Darcy, der ihnen selbstlos hilft. Auch diverse Missverständnisse, Scham und Einkommensunterschiede können letztendlich nicht verhindern, dass Darcy und Elizabeth sich verlieben und sie schließlich kurz nach Jane und Bingley ebenfalls heiraten.
  • „Stolz und Vorurteil“, Mister Darcy und Miss Elizabeth sind durch den weltweit übersetzen Klassiker von Jane Austen und durch diverse Verfilmungen (zuletzt 2005) mehreren Generationen (meist weiblichen Leser:innen) bekannt. Claudia Kühn und Tara Spruit haben nun eine weitere Möglichkeit geschaffen, in diese Liebesgeschichte einzutauchen. In der Graphic Novel kommen zwei Darbietungsformen zusammen, der Text in gekürzter Fassung sowie eine Bebilderung in schönen, detailreichen und fein ausgearbeiteten Zeichnungen in angenehm zarten Farben. Wenn man den Plot bereits kennt, kann man sich an diesen Zeichnungen beim erneuten Lesen erfreuen. Andere mag die Mischung aus Text und Bild vielleicht erst dazu motivieren, sich diesem Klassiker zu widmen. In beiden Fällen ist das Lesevergnügen gesichert.
  • Claudia Kühn, Tara Spruit: Stolz und Vorurteil. Die Graphic Novel nach Jane Austen. Bindlach: Loewe, 2024. Ab 12 Jahren.

4.12.2025: Ein Fest für den Weihnachtsmann

  • © Aladin

  • Ein Fest für den Weihnachtsmann: ein stimmungsvolles Bilderbuch
  • Der Weihnachtsmann hat sehr viel mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest zu tun. Er bastelt Spielsachen und bringt diese mit dem Schlitten zu den Kindern auf der ganzen Welt. Aber was er selber nicht macht, ist Weihnachten feiern. Das bringt den Eisbären und die Wichtel auf eine Idee: Sie wollen dem Weihnachtsmann ein schönes Weihnachtsfest bereiten. Es fängt an mit einem leckeren Frühstück. Dann besorgen alle gemeinsam einen Weihnachtsbaum, schmücken ihn, backen Kekse, hängen bunte Lichterketten auf und versammeln sich zum Schluss am Kamin, um sich gegenseitig Geschichten vorzulesen. Und plötzlich steht jemand mit einem weißen Bart in einem roten Mantel und einem Sack voller Geschenke vor der Tür. Der Weihnachtsmann erkennt den „bärtigen Jemand“, als den als Weihnachtsmann verkleideten Eisbären, aber selbstverständlich verrät er ihn nicht und freut sich riesig über seine Geschenke.
  • Dieses mit weihnachtlichen, warmen Farben illustrierte Bilderbuch, das den Weihnachtsmann in der Rolle des Beschenkten auftreten/erscheinen lässt, vermittelt mit Kerzenschein, Geschenken und Lichterglanz eine besondere weihnachtliche Stimmung. Aufgrund der lebendigen Sprache eignet es sich sehr zum Vorlesen und lädt ein, in die heimelige Weihnachtswelt einzutauchen.
  • Das Bilderbuch eignet sich hervorragend für eine Erzähllaterne, mit der Schlüsselszenen der Geschichte besonders in Szene gesetzt werden können und dadurch viele Erzählanlässe bieten. https://www.alf-hannover.de/materialien/praxistipps/erzaehllaterne
  • Mac Barnett, Sydney Smith: Ein Fest für den Weihnachtsmann. Stuttgart: Aladin, 2025. Ab 4 Jahren.

5.12.2025: Ein Winter zum Ohrenwackeln

  • © Moritz

  • Was machen Tiere im Winter im Wald? Ein Erstlesebuch mit einer lebendig und humorvoll erzählten Geschichte und allerhand Wissenswertem
  • Matti und Janne haben Winterferien. Da in der Stadt Dauerregen angesagt ist, verbringen sie ihre Winterferien lieber auf dem Land bei Tante Olga. Diese lebt am Waldrand und freut sich über Hilfe. Denn es ist Wintereinbruch und die Tiere im Wald müssen gefüttert werden. Vor dem Keiler Wampe warnt Tante Olga sie allerdings, denn der kann ganz schön wütend werden. Im letzten Jahr hat Wampe sogar einen Hochsitz umgerissen.
  • Dieses Erstlesebuch für bereits geübte Leser:innen ab der 3. Klasse erzählt eine Wintergeschichte, in der man viel über das Leben der Tiere im Winter im Wald und deren Fütterung erfährt. Im Schnee entdecken Matti und Janne die Spuren unterschiedlichster Tiere wie dem Dachs, einem Fuchs, einem Reh und natürlich die Spuren von Wampe. Als Matti und Janne sich auf einen verschneiten Hügel setzen, dieser sich plötzlich bewegt und als getarnter Keiler Wampe entpuppt, nimmt die Geschichte Fahrt auf. Die unerwartete Begegnung mit dem Wildschwein endet aber für beide Kinder gut. Sie müssen sogar über den „laufenden Sitzhügel“ lachen. Das Buch ist mit farbigen Zeichnungen illustriert, die das winterliche Setting im Wald und die heimelige Atmosphäre bei Tante Olga am Kachelofen im Haus gut wiedergeben. Die Episode rund um den Keiler Wampe ist mit humorvollen Illustrationen versehen, die der Begegnung die Bedrohlichkeit nehmen.
  • Durch die poetische Sprache und die lebendige Geschichte eignet sich das Winterbuch auch sehr gut zum Vorlesen.
  • Kristina Andres hat bereits einen Vorgängerband veröffentlicht, der in den Herbstferien spielt: „Zicke Zacke Igelkacke" (Moritz 2024) erzählt von zwei Igeljungen, die noch zu klein sind, um allein zu überleben und deshalb gefüttert werden müssen.
  • Kristina Andres: Ein Winter zum Ohrenwackeln. Frankfurt a.M.: Moritz, 2025. Ab 6 Jahren.

6.12.2025: Die Tasche

  • © Arena

  • Fragmente von Engagement, Vielfalt, Toleranz, Erschöpfung und Rassismus: das Jugendbuch „Die Tasche“ beeindruckt mit einem brisanten Blick auf unsere Gesellschaft
  • Mohammed geht in die Oberstufe einer Brennpunktschule und ist ein guter Schüler. Als die Schule einen Integrationspreis verliehen bekommt, soll er deshalb zusammen mit seiner Lehrerin Frau Schäfer den Preis in einer feierlichen Verleihung entgegennehmen. Doch Mohammed hat vor, die Veranstaltung zu boykottieren. Denn nach einigen Erlebnissen mit dem Schulleiter, der ihn und seine zwei ebenfalls muslimischen Freunde des Diebstahls bezichtigt, und einigen kulturell unsensiblen Bemerkungen eines überforderten neuen Lehrers will Mohammed sein Gesicht nicht dafür hergeben, die Farce von Toleranz und Integration, von einer „gelebten Utopie“ aus Vertrauen und Respekt, wie es Frau Schäfer in ihrer Rede formuliert, zu unterstützen. Als er von einem Mitschüler am Vormittag tätlich angegriffen wird, meldet er sich krank ab – vergisst aber in der Aula seine Sporttasche. Und plötzlich kommen verschiedene Dinge zusammen, die Mohammed und seine Freunde in einem schlechten Licht dastehen lassen. Von Vertrauen und Respekt ist keine Rede mehr, als die Polizei gerufen und Mohammed festgenommen wird.
  • Kornelia Wald und ihrem ehemaligen Schüler Houssein Kahin ist mit diesem Jugendroman ein großes gesellschaftliches Porträt gelungen: Wie leben wir Toleranz und Vielfalt? Sind es nur Schlagwörter oder können wir sie mit Vertrauen und Akzeptanz füllen? Oder enthüllen tief verwurzelte Vorurteile sie als eine bloße Maske, die wir uns für den Alltag aufsetzen?
  • Als Schullektüre bietet „Die Tasche“ enorme Identifikationsmöglichkeiten. Die Erzählweise aus verschiedenen Perspektiven, mal als transkribierte Audioaufnahme, mal als Chat, Interview oder erzählender Text, intensiviert das fragmentarische Gefühl, das die Leser:innen beim Verfolgen der Ereignisse haben.
  • Zurecht hat dieser Roman den Vielfalterpreis 2023 gewonnen, das Hörbuch wurde im November 2024 von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Hörbuch des Monats gekürt. Der Verlag stellt Anregungen für die Arbeit im Unterricht kostenlos zur Verfügung. Dieses Buch sollte auf Leselisten ab Klasse 8 und in allen Schulbibliotheken stehen. Für Schulen mit eher leseschwachen Schüler:innen bietet das Hörbuch hier die Möglichkeit, das Lesen der Ganzschrift zu verkürzen und aufzulockern, indem z.B. das Sprachtagebuch von Mohammed nicht gelesen, sondern gehört wird. Die weiteren Perspektiven können gruppenweise aufgeteilt werden, sodass im Anschluss die Lerngruppe die Ereignisse zusammentragen und rekonstruieren kann.
  • Houssein Kahin, Kornelia Wald: Die Tasche. Würzburg: Arena, 2024. Ab 12 Jahren.

7.12.2025: Weihnachten in Wimmlingen

  • © Gerstenberg

  • Wimmlige Weihnachten
  • Die Vorfreude auf den Heiligabend, die Zeit, die einfach nicht vergehen möchte – dieses Gefühl, das bestimmt viele noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, beschreibt das Bilderbuch „Weihnachten in Wimmlingen“. Und dort, in der Stadt Wimmlingen, haben die Menschen ihre ganz eigenen Ideen, um die Wartezeit bis zum Abend zu überbrücken: Frank veranstaltet eine gemeinsame „Weihnachtssuppe im Café“, Petra organisiert eine Bastelstunde, Friedrich versorgt die Besucher:innen mit selbst gebackenen Plätzchen und draußen vergnügen sich alle gemeinsam im Schnee. Trotzdem ist es erst drei Uhr – gut, dass Ludwig, der Dirigent, noch eine Gesangseinlage geplant hat. Als es endlich Zeit ist, nach Hause zu gehen, sind die Straßen verschneit und Fred und Carlos müssen mit ihrem Pflug zur Hilfe eilen, um die Stadtbewohner:innen sicher nach Hause zu bringen – für „die allerschönste Zeit im Jahr“.
  • Die Geschichte wird durch einfache Reime erzählt und mit bunten, wimmligen Bildern illustriert, die dazu einladen, über das Erzählte ins Gespräch zu kommen und viele liebevolle Details in den Zeichnungen zu entdecken. Im Anhang sind außerdem die Noten und der Text zum Weihnachtslied „In dulci jubilo“ und ein Rezept für Kinderpunsch zu finden.
  • Das Buch fängt die kindliche Vorfreude eines Weihnachtstages ein und zeigt durch die gemeinsamen Aktivitäten der Stadtbewohner:innen auf, worum es vor allem an Weihnachten gehen soll: Zusammenhalt, Beisammensein und Nächstenliebe.
  • Rotraut Susanne Berner: Weihnachten in Wimmlingen. Hildesheim: Gerstenberg, 2025. Ab 3 Jahren.

8.12.2025: Alles über mein Herz

  • © Beltz & Gelberg

  • Alles über mein Herz
  • Was ist so groß wie ein Mensch, aber so schwer wie ein Klavier? Na klar, das Herz eines Blauwals!
  • „Alles über mein Herz“ enthält viele interessante Fakten über unser Herz, z. B., dass nicht alle Lebewesen die gleiche Anzahl an Herzklappen haben (Menschen und Vögel haben vier, aber Reptilien und Amphibien drei). Es geht so spannenden Fragen nach, ob Gefühle wirklich aus dem Herzen kommen (eigentlich nicht), ob ein Herz wirklich brechen kann (zum Glück nicht), oder ob man mehr als ein Herz haben kann (ja, wenn man ein Oktopus oder Regenwurm ist).
  • Dieses liebevoll gestaltete Sachbuch bietet großformatige Darstellungen in den vier Farben Rot, Blau, Rosa und Schwarz. Sie illustrieren auf sehr ansprechende Weise die knapp gehaltenen Informationen rund um diese faustgroße Pumpe, die uns am Leben hält. Es erklärt kindgerecht die verschiedenen Aspekte, die es über das Herz zu wissen gibt: Wie ist das Herz aufgebaut und wie arbeitet es? Welche Erkrankungen können ein Herz befallen? Wie verhält es sich unter Belastung? Welche Rolle spielt das Herz im zwischenmenschlichen Bereich? Alle diese Fragen werden von dem Kardiologen Dr. Remi Kowalski beantwortet und von der Illustratorin Tonia Composto eindrucksvoll in Szene gesetzt. Ein Sachbuch, das sich sowohl zum gemeinsamen Lesen eignet und zahlreiche Gesprächsanlässe liefert, aber auch von Grundschulkindern schon selbständig gelesen werden kann.
  • Dr. Remi Kowalski, Tonia Composto: Alles über mein Herz. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2025. Ab 5 Jahren.

9.12.2025: Die Spur der Vertrauten

  • © Rotfuchs

  • Kein Ich, nur das Wir: ein fantastischer Jugendroman
  • In Claires Welt haben alle Menschen einen Instinkt, der über ihr gesamtes Leben entscheidet. Mit elf Jahren wird dieser Instinkt jedem ins Gesicht tätowiert, sodass er für alle anderen erkennbar ist. Ist man ein Reparateur, so trägt man immer Werkzeug mit sich herum und kann an keiner locker sitzenden Schraube vorbeigehen. Vertraute schirmen sich von ihrer Umwelt durch übergroße Kopfhörer, laute Musik und schalldichte Räume ab, denn sie werden durch ihren Instinkt dazu gezwungen, jedem Menschen zuzuhören, wenn er spricht – egal wie lange, egal worüber. Schützer zu sein bedeutet, sich zwischen eine andere Person und eine Gefahr zu werfen, auch wenn es das eigene Leben kosten wird. Und Wirte müssen ihre Gäste bedienen, auch wenn diese nicht bezahlen, der Instinkt lässt ihnen keine Wahl. Was zählt, ist einzig und allein das Wir, jeder und jede muss sich in den Dienst der Gesellschaft stellen. Übt man seinen Instinkt nicht aus, so altert man rapide und verliert seine Gesundheit bis zum Tod.
  • Den Instinkt eines anderen Menschen zu missbrauchen, ist eine Straftat und dennoch findet dies täglich statt, z. B. wenn man einem Fügsamen durch Nutzung eines Imperativs keine Wahl lässt. Claire, die Vertraute, und Goliath, der Schützer, gehen einer Reihe von verschwundenen Schüler:innen nach und stoßen dabei auf Vieles, was das Bild von der Gesellschaft, in der sie leben, bis auf die Grundfesten erschüttert.
  • Die Autorin hat in diesem Roman eine atemberaubend fantastische Welt erschaffen, die Leser:innen von der ersten Seite an in ihren Bann schlägt. Neben der packenden Kriminalgeschichte ist es vor allem das Leben in dieser so anderen Gesellschaft, das einen Seite um Seite verschlingen lässt und Leser:innen wie nebenbei auf philosophische Überlegungen mitnimmt: Sind ein freier Wille und ein individuelles Leben mit solch einem Instinkt möglich? Gibt es bessere und schlechtere Instinkte oder sind alle gut, weil sie der Gesellschaft als Ganzes dienen? Besteht wirklich keine Möglichkeit, gegen den Instinkt zu handeln, auch wenn ich weiß, dass es falsch ist? Dieser Pageturner eignet sich hervorragend, um die dunkle Jahreszeit mit Fantasie zu füllen.
  • Christelle Dabos: Die Spur der Vertrauten. Frankfurt a.M.: Rotfuchs, 2025. Ab 14 Jahren.

10.12.22025: Oh nein!

  • © Kunstanstifter

  • „Oh nein!“: ein textloses Bilderbuch rund um sich anbahnende Katastrophen
  • Das Prinzip dieses kleinformatigen Bilderbuchs ist einfach: Auf jeweils einer Doppelseite werden zwei Dinge dargestellt, die oft auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber auf den zweiten Blick doch in Zusammenhang stehen. Diese entstammen unterschiedlichen Bereichen: eine Hand, die mit einem Messer eine Zwiebel zerschneidet, und tränende Augen, ein überlanger Hut und eine niedrige Tür, ein Radfahrer und ein Nagel, nackte Füße und Legosteine auf dem Boden sowie ganz zum Schluss: das vorliegende Bilderbuch und ein Regenschauer. Die Missgeschicke, die sich im Kopf der Betrachter:innen durch die Gegenüberstellungen ergeben, werden allein durch die Illustrationen erzählt und kommen gänzlich ohne Text aus. Sie verfügen über einen gewissen Witz und haben einen hohen Aufforderungscharakter, ins Erzählen zu kommen, weil man die sich anbahnende „Katastrophe" ahnt. Die Illustrationen sind reduziert und plakativ. Die Autorin hat die Skizzen dazu analog auf bunten Tonpapieren erstellt, diese gescannt und digital collagiert. Das Verbindende zwischen beiden Motiven ist die farbliche Gestaltung, die auf jeder Doppelseite jeweils zwei Farben umfasst. Das verwendete Papier ist sehr hochwertig.
  • Das „Silent book" bietet viele Erzählanlässe und kann deshalb sehr gut zur Sprachförderung sowie zum Erzählen erster Geschichten eingesetzt werden. Es wäre auch denkbar, selbst weitere Paare zu erstellen und so das Buch „fortzuschreiben". Der Titel wurde für den „Serafina 2025" nominiert, einen Preis für Illustration, der von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur vergeben wird.
  • Paulina Rauh: Oh nein! Mannheim: Kunstanstifter, 2025. Ab 4 Jahren.

11.12.2025: Luftmaschentage

  • © Beltz & Gelberg

  • Luftmaschentage: Ein besonderes Kinderbuch über Freundschaft
  • Ricci und Mats könnten unterschiedlicher kaum sein: Während Ricci kein Blatt vor den Mund nimmt, bekommt Mats außerhalb der eigenen vier Wände häufig kein Wort heraus. Dennoch werden die beiden Freundinnen und bauen eine besondere Verbindung zueinander auf. Doch dann entdeckt Mats Riccis größtes Geheimnis und es kommt zu einem Streit, der die beiden auseinanderzutreiben droht.
  • Die beiden ca. 12-jährigen Mädchen kommen aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten. Matea fühlt sich in ihrem Zuhause mit zwei verständnisvollen Eltern und ihrem älteren Bruder Aaron sehr wohl. Kommt der ihr mit einem dummen Spruch, kann sie äußerst schlagfertig sein. Auch gegen ihre manchmal etwas zu besorgte Mutter weiß sie sich durchaus zu wehren. Außerhalb der Familie hingegen ist sie eine ganz andere. Sie spricht mit kaum jemandem und wird dadurch zur Außenseiterin. Woran das liegt, kann Matea sich sehr bildhaft erklären. Schuld daran ist Madame Schüchtern, die achtarmige Tiefseekrake in ihrem Bauch, die sich dort eingenistet hat, Unsicherheit und Angst verbreitet, Matea fest im Griff hat und sie gegenüber anderen verstummen lässt.
  • Mit Ricci, der Neuen in Mateas Klasse, ist das vom ersten Moment an anders. Madame Schüchtern scheint Ricci zu mögen und liegt völlig entspannt auf ihrem Sofa, als Matea und Ricci einander zum ersten Mal begegnen, sodass sich –wenn auch zögerlich– ein Dialog zwischen den beiden entspinnt.
  • Sie verstehen sich aber auch ohne viele Worte: Während sie auf dem Fußboden in Mateas Zimmer sitzen und gemeinsam Wollstulpen für Gartenzäune, Baumstämme und ähnliche Projekte häkeln, knüpfen sie -wie passend- freundschaftliche Kontakte. Luftmaschentage halt!
  • Doch schon bald wird die Freundschaft zwischen den beiden schwierig. So wie Luftmaschen aufribbeln können, droht auch ihre Freundschaft sich aufzulösen. Es stellt sich heraus, dass Ricci von häuslicher Gewalt bedroht und in prekären Verhältnissen lebt. Als es ihr nicht mehr gelingt, dies vor Matea zu verbergen, gewinnt der „tollwütige Gorilla“ in ihr die Oberhand. Sie reagiert wütend, impulsiv, zieht sich zurück und bricht schließlich den Kontakt ab.
  • Die geschilderte Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Wochen. Die Ereignisse werden rückblickend aus der Sichtweise von Matea erzählt. Jedem Tag ist ein Kapitel gewidmet. Zwischengeschoben sind kurze, kursiv gedruckte Kapitel mit Sprachnachrichten von Matea an Riccarda, die das Geschehen auflockern. Die gewählte Erzählperspektive lässt Leser:innen tief in die Gedanken- und Gefühlswelt der Hauptfigur eintauchen. Die „inneren Monster“ der Mädchen vermitteln auf anschauliche sowie altersgerechte Weise die Beweggründe für ihr Verhalten und regen die Lesenden zur Selbstreflexion an. Eine spannende und sowohl sprachlich als auch inhaltlich anspruchsvolle Geschichte, die zum Nachdenken anregt und viele Gesprächsanlässe bietet. Das Buch eignet sich nicht nur als Freizeit-, sondern auch als Klassenlektüre ab Klasse 5. Begleitend zum Einsatz des Buches im Unterricht sind Unterrichtsmaterialien erhältlich.
  • Anne Becker: Luftmaschentage. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2023. Ab 11 Jahren.

12.12.2025: Ingrid und Paul

  • © Jacoby & Stuart

  • Wenn mein Bruder ein Nazi ist: Ingrid und Paul
  • Ingrid und Paul leben in einer Kleinstadt in der Nähe von Köln, als der Nationalsozialismus in ihr Leben kriecht. Zuerst mit Gesten wie dem Hitlergruß, dann mit der Entführung des Nachbarn, der in der Gewerkschaft ist. Ungleichbehandlung, Bevormundung und Androhung von Gewalt nehmen zu. Als die Mutter bei einem Unfall stirbt und die neue Frau des Vaters die führerzentrierte Ideologie unterstützt, geht der junge Paul seinen Weg in die Hitlerjugend, während seine ältere Schwester Ingrid sich innerlich und im Kleinen auch äußerlich gegen die Indoktrinierung wehrt. Die Geschwister entzweien sich, Vertrauen gibt es nicht mehr. Schließlich ist es Paul, der seine Schwester zu einem Rendezvous mit ihrer Freundin Lilli verfolgt und festnehmen lässt. Ingrid hat „Unzucht“ begangen und wird als „Asoziale“ zuerst in ein Erziehungsheim gesteckt, später ins KZ Ravensbrück. Währenddessen ist Paul ein Vorzeige-Hitlerjunge, jedoch macht er sich einige Jahre später unter einem Vorwand auf ins KZ, um seine Schwester zu sehen. Die Erlebnisse dort verändern ihn und lassen ihn erkennen, dass die Ideologie der Nationalsozialisten unmenschlich ist. Er tritt der Edelweiß-Gruppe bei. Ingrid gelingt die Flucht und die Geschwister, inzwischen durch den Tod des Vaters an der Front verwaist, treffen sich wieder.
  • Erzählungen und auch Graphic Novels über die Zeit des Nationalsozialismus gibt es viele. Was an dieser Graphic Novel besonders ist, sind die 13 Episoden, eine für jedes Jahr des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Jede Episode nimmt die Leser:innen mit in das Leben von Ingrid und Paul. Dabei sind einige länger und andere schildern lediglich eine Schlüsselszene. Im Anhang zu jedem dieser Kapitel gibt es eine Auflistung der in diesem Jahr von den Nationalsozialisten eingeführten Veränderungen in Gesetzgebung und Gesellschaft, die das Gelesene ergänzen.
  • Die Zeichnungen kommen ganz ohne Farbe aus. Es sind sehr detailreiche und klar ausgearbeitete Darstellungen der Lebenswirklichkeit der Geschwister. Lediglich der Farbton ändert sich: Die ersten Episoden sind sepiafarben und lassen so den Eindruck von alten Fotos entstehen. Dieser Braunton scheint jedoch erst zu einem Lila zu verblassen um schließlich in einem bedrohlichen, emotionslosen Grau-Schwarz zu enden.
  • „Ingrid und Paul“ gibt einen nachwirkenden Einblick in das Alltagsleben einer deutschen Familie im Nationalsozialismus: in die Zerrissenheit innerhalb einer Familie, in die unterschiedlichen Wege und Schicksale. Dabei versuchen die Autor:innen nicht, das ganze Spektrum der Gräueltaten abzubilden, sondern konzentrieren sich auf die beiden Protagonist:innen, wodurch ihre Tragödien besonders eindrücklich erlebbar werden.
  • Ingo Haeb, Luise Mirdita: Ingrid und Paul. Berlin: Jacoby & Stuart, 2025. Ab 14 Jahren.

13.12.2025: Beton

  • © Hanser

  • Der LKW-Fahrer Jarno und sein Hund Julle nehmen die Leser:innen auf verschiedene Baustellen mit und zeigen, wie Beton hergestellt wird und was man daraus alles bauen kann.
  • Beton ist künstlich hergestellter Stein, der haltbar und belastbar ist. Dieses Sachbilderbuch zeigt, wie er im Betonwerk hergestellt wird und für den Bau einer Brücke, eines U-Bahn-Schachts und sogar für eine Hundehütte eingesetzt wird. Durch das wie ein Wimmelbilderbuch illustrierte Sachbilderbuch führen Jarno und sein Hund Julle. Dabei werden die einzelnen Baufahrzeuge, Maschinen, Vorrichtungen, Arbeitsvorgänge, Berufe und Produktionsabläufe für die Betonherstellung und -verarbeitung vorgestellt. Die Weitergabe von Informationen erfolgt in einem kurzen, einleitenden und in Erzählform geschriebenen Text und in Sprechblasen mit wörtlicher Rede. Zusätzlich gibt es kurze Benennungen einzelner Bildelemente wie Auslauftrichter, Betonrutsche oder Hydraulikzylinder. Die dargestellten Szenen sind daher sehr lebendig, können leseferne Kinder aber auch überfordern, da die Informationen nicht sehr strukturiert dargestellt sind und Inhaltsverzeichnis sowie Glossar fehlen. Die Bandbreite der Informationen, die auch Arbeitszeitregelungen und historische Angaben umfassen, ist sehr detailreich. Kinder, die sich sehr für Baufahrzeuge und Baustellen interessieren, werden begeistert sein. Für Kinder, die von der multimodalen Gestaltung überfordert sind, können eine Lupe oder ein Textfenster bzw. Passepartout, das nur Ausschnitte zeigt, hilfreich sein.
  • Das Sachbilderbuch eignet sich wegen der erzählenden Passagen auch sehr zum Vorlesen. In der gleichen Reihe sind bereits von Salla Savolainen erschienen „Asphalt! Wir bauen eine Straße“ (2024) und „Schrott! Wir zerlegen Autos, Maschinen und Flugzeuge“ (2025).
  • Salla Savolainen: Beton! Wir bauen eine Brücke. München: Hanser, 2025. Ab 4 Jahren.

14.12.2025: Gordon - Gans schön fies

  • © Ueberreuter

  • Turbulente Comic-Geschichte von einer ganz schön fiesen Gans zum Selberlesen für Grundschüler:innen
  • Gans Gordon ist der fieseste aller Fieslinge im Club der fiesen Gänse, der sich einmal im Monat im fiesesten Teil der Stadt, der alten Bäckerei, trifft. Hier versuchen Gordon, Rocky Rockerbrille, Stechaugen Tula, Siggi Schnappzahn und Scotty McSchreihals sich im Aushecken immer neuer Gemeinheiten zu übertrumpfen. Das Zerstören von Sandburgen, das Anschreien alter Leute und das Eis-aus-der-Hand-Hauen sind nur einige der To-dos auf Gordons Liste. Er ist durch nichts zu bremsen, bis sich ihm ganz unerwartet jemand in den Weg stellt: das kleine Schweinchen Anton mit einer Blume in der Hand, die es Gordon entgegenstreckt. Das bringt Gordon völlig aus dem Konzept, weil in seinem ganzen Gänseleben noch nie jemand nett zu ihm war. Nach einer spontanen Umarmung von Anton freunden sich die beiden an. Gordon erkennt, dass es sehr viel mehr Mut kostet, freundlich zu sein als den Fiesling zu spielen und überwindet schließlich die Trauer und Angst, die sich hinter seiner Gemeinheit verbergen.
  • Die Geschichte wird im Comicstil mit Sprechblasen und sehr kurzen Textpassagen in gut lesbarer Schrift lebhaft, lebensnah und witzig erzählt. Die kindgemäßen Illustrationen sind überwiegend in schwarz, weiß und rot gehalten. Dabei untermalen Farbgebung und Zeichenstil die Handlung und die dargestellten Emotionen auf besondere Weise.
  • Eine lustige Geschichte voller Sprachspielereien, die gleichermaßen zum Schmunzeln wie zum Nachdenken anregt.
  • Alex Latimer: Gordon – Gans schön fies. Berlin: Ueberreuter, 2024. Ab 8 Jahren.

15.12.2025: Der Scherbenpalast

  • © Freies Geistesleben

  • Zwischen Scherben, Wut und neuen Erinnerungen
  • Lou ist wütend. Wütend auf alles und jeden. Auf ihre Eltern, die neue Stadt Mannheim, das neue Haus, ihr neues Zimmer, die neuen Nachbarsfamilien und die neuen Mitschüler:innen. Ihre Wut ist so zerstörerisch, dass nicht nur das Familienleben darunter leidet, sondern sie auch das Ankommen in der neuen Schule überschattet. Überall hinterlässt die Wut Scherben – sinnbildliche und echte. Nur ein Mädchen lässt sich nicht beirren und dringt langsam zu Lou durch. Sari ist nicht nur in ihrer Klasse, sondern auch Statistin an dem Theater, an dem Lous Mutter ein Engagement hat und wegen dem sie überhaupt nun in Mannheim sind. Sari nimmt Lou überallhin mit und zieht sie auf diese Weise langsam in ihre neue Lebenswelt hinüber.
  • Den größten Teil dieser Arbeit erledigt aber die ältere Nachbarin Freya, bei der Lou so sein kann, wie sie will und ihre Wut durch Zertrümmern von Porzellan austoben kann. Die Scherben setzen die beiden zu neuen Kunstwerken rund um Freyas Haus und Garten zusammen. Und langsam setzt sich auch Lous Leben neu zusammen, besonders als dann auch noch der schwermütige Tikey dazukommt, der vor Lous Umzug mit seinen Eltern in ihrem Haus lebte.
  • Annette Mierswa gelingt es in „Der Scherbenpalast“ ebenso eindringlich, Lous Wut auf die ganze Welt auszudrücken, wie auch mit kraftvollen sprachlichen Bildern die allem zugrundeliegende Angst auszudrücken: Angst vor der Veränderung, die das Leben bedeutet; Angst davor, in einer neuen Gruppe nicht akzeptiert zu werden; Angst, nicht selbst über sein Leben bestimmen zu können; Angst, sich unerwidert zu verlieben; Angst, Freund:innen zu verlieren und selbst nicht mehr zu wissen, wer man ist und wo man hingehört. Damit ist „Der Scherbenpalast“ ein mitreißender Coming-of-Age-Roman, der nicht nur Leser:innen dieser Altersgruppe anspricht.
  • Annette Mierswa: Der Scherbenpalast. Stuttgart: Freies Geistesleben, 2025. Ab 14 Jahren.

16.12.2025: Ein Tag, ein Aufzug

  • © Achse

  • Buntes Treiben im Aufzug – ein Bilderbuch über Vielfalt und Miteinander
  • In diesem liebevoll gestalteten Bilderbuch steht ein Wohnhaus in Italien im Mittelpunkt, genauer gesagt: der Fahrstuhl. Die Geschichte beginnt bei der Pförtnerin, die den ganzen Tag über beobachtet, wer alles mit dem Aufzug fährt – und das sind eine Menge Menschen. Auf jeder Seite lernen die Leser:innen eine oder mehrere Figuren kennen, die in die Kabine einsteigen: Um 10:22 Uhr fährt der Postbote mit jeder Menge Briefe aus aller Welt hinauf, um 16:33 Uhr fährt ein Mädchen mit Rollschuhen in den dritten Stock zu ihrem Freund und um 18:30 Uhr führt ein Hund sein altes Herrchen zu einem Spaziergang in den Park aus.
  • Die Erzählweise ist reduziert und leicht verständlich. Kurze und immer gleich aufgebaute Sätze in einfacher Sprache laden Kinder ab 3 Jahren zum Zuhören und Mitdenken ein. Die Illustrationen in zarten, freundlichen Farben fangen das bunte Gewusel im Aufzug ein. Aufmerksame Betrachter:innen entdecken dabei viele kleine Details und versteckte Gegenstände, die zum genauen Hinsehen und Weitererzählen animieren. Die dargestellten Figuren sind vielfältig und divers. Sie bieten Identifikationsmöglichkeiten und vermitteln auf spielerische Weise ein positives Bild von Miteinander und Vielfalt in der Hausgemeinschaft.
  • Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Leser:innen am Ende: Alle Nachbar:innen treffen sich zur Geburtstagsfeier auf dem Dach. Auf der großen Wimmelbild-Doppelseite sind alle zuvor gezeigten Figuren wiederzufinden – zusammen mit weiteren Gegenständen, die bereits auf dem Vor- und Nachsatzpapier versteckt waren. Diese laden dazu ein, die Geschichte fortzuspinnen: Wer könnte noch mit dem Aufzug gekommen sein?
  • „Ein Tag, ein Aufzug“ ist ein fröhliches, detailreiches Bilderbuch über den Alltag in einem Mehrparteienhaus – ideal zum Vorlesen, Staunen und gemeinsamen Erzählen.
  • Cristina Petit, Chiara Ficarelli: Ein Tag, ein Aufzug. Wien: Achse, 2025. Ab 3 Jahren.

17.12.2025: Hier sind Ari und Luke

  • © Freies Geistesleben

  • Ein Haus, zwei Kinder, viele Gefühle: Geschichten aus dem Alltag einer Mischmasch-Familie
  • Aris Mutter Jikke und Lukes Vater Gus haben sich ineinander verliebt und beschlossen zusammenzuziehen. Seit sie zu viert in dem weißen Haus mit den grünen Fenstern an der Straßenecke wohnen, sind Ari und Luke „Bisschen-Geschwister“. Das ist schön, häufig auch ganz schön anstrengend, manchmal schwierig und jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung für alle.
  • Vom Tag des Einzugs an dürfen die Leser:innen Ari und Luke in 30 kurzen Geschichten durch den Alltag in ihrer neuen „Mischmasch-Familie“ begleiten. Sie sind dabei, wenn die zwei mit den Eltern ins Restaurant, in den Zoo oder in den Baumarkt gehen. Sie fühlen mit, wenn Luke in Tränen ausbricht, weil er keine Mama mehr hat, wenn Ari sauer ist oder Luke so wütend, dass der „Brüllaffe“ Besitz von ihm ergreift. In diversen Situationen merken sie, dass man als „Fast-Geschwister“ zurückstecken muss, dass Süßigkeiten, Lieblingsstifte und sogar die Oma, die man bisher immer für sich alleine hatte, plötzlich ganz selbstverständlich geteilt werden müssen. Das will gelernt sein! Schrittweise üben die beiden, Kompromisse auszuhandeln und auf den anderen Rücksicht zu nehmen. Dabei machen sie auch die Erfahrung, dass so manches mit einem Bruder oder einer Schwester an der Seite viel einfacher, schöner und lustiger ist. Man fühlt sich weniger allein, wenn die Eltern sich hinter verschlossener Schlafzimmertür so schlimm streiten, dass eine Trennung zu befürchten ist. Es ist toll einen Bruder zu haben, der einen im Supermarkt vor griesgrämigen alten Damen beschützt, oder zu zweit zu sein, wenn es darum geht, sich gegen die Eltern zu behaupten.
  • In ihren Geschichten knüpft Yvonne de Vries auf besondere Weise an die heutige Lebenswelt von Kindern an und trifft dabei genau den richtigen Tonfall. Mit Ari und Luke hat sie zwei lebensnahe und liebenswerte Identifikationsfiguren geschaffen, in denen Leser:innen sich wiedererkennen und in deren Gefühlslage sie sich hineinversetzen können. Die farbigen und ausdrucksstarken Illustrationen von Jeska Verstegen greifen unterschiedliche Alltagssituationen auf, laden zum Betrachten, Nachdenken und zum Austausch ein. Das Buch ist als Vorlesebuch für Kinder ab 5 Jahren zu empfehlen, eignet sich von der Textmenge und aufgrund der gut lesbaren Schrift aber auch zum Selberlesen für Kinder ab der 3. Klasse.
  • Yvonne de Vries, Jeska Verstegen: Hier sind Ari und Luke. Stuttgart: Freies Geistesleben, 2025. Ab 5 Jahren.

18.12.2025: Nur noch ein bisschen mehr

  • © Atrium Pics

  • Erst zu viel, dann zu wenig: Eine Graphic Novel über Essstörungen
  • Janne ist ein fröhliches Mädchen, das Kaninchen und Computerspiele mag. Als sich bei einigen Mitschülerinnen ihrer 6. Klasse zunehmend alles ums Aussehen dreht, verliert Janne, das dickste Mädchen der Klasse, ihre Freundin an die hübsche Renate und ihre coole Clique. Fortan wird sie beschämt und ausgegrenzt. Und auch zu Hause wird Jannes Gewicht zum Thema: Während die Mutter versucht, einfühlsam mit ihr darüber zu reden, bekommt Janne von ihrem Vater nur wenig empathische Bemerkungen zu hören. Aber der Plan der Eltern, Janne zum Abnehmen zu animieren, indem sie ihr für jedes verlorene Kilo Geld geben, geht auf. Allerdings setzt sich in Jannes Kopf das Bild eines fetten, schleimigen, dunklen Monsters fest, das sie selbst ist. Jedes Mal, wenn sie isst, fühlt sie sich schuldig und versucht die Kalorien durch lange Spaziergänge abzulaufen. Janne verzichtet immer mehr aufs Essen und zieht sich zunehmend zurück.
  • Essstörungen bei jungen Mädchen darzustellen, ist ein schwieriges Thema, das behutsam angegangen werden muss. Jenny Jordahl ist dies sowohl in den Bildern als auch in den Texten ihrer Graphic Novel gelungen. Die klaren, bunten Zeichnungen animieren zum Lesen und bilden die Geschehnisse nachvollziehbar ab. Besonders eindrücklich ist das Monster, das Jannes Gedanken begleitet, ihr Selbstwertgefühl herabsetzt und sie weiter in die Isolation treibt. Neben Einblicke in Jannes Innenleben zeigt Jordahl auch, wie die Eltern beinahe hilflos zusehen, wie ihre Tochter zuerst über- und dann untergewichtig wird. Sie wollen ihre Tochter liebevoll unterstützen, wissen aber nicht, wie sehr sie Janne dabei auch verletzen.
  • Essstörungen sind in allen Industrienationen ein großes Thema, deshalb braucht es mehr altersgerechte Lektüren wie diese. Auf den letzten Seiten sind Hilfestellen aufgelistet, an die sich Jugendliche wenden können. Dieses Buch gehört definitiv in jede Schulbibliothek.
  • Hilfestellen:
  • © Atrium Pics
  • Jenny Jordahl: Nur noch ein bisschen mehr. Zürich: Atrium Pics, 2025. Ab 12 Jahren.

19.12.2025: Wie man einen Yeti findet

  • © Kunstmann

  • Wie man einen Yeti findet: ein amüsantes Bilderbuch für die kalte Jahreszeit
  • Aus der Sicht eines kleinen Yeti-Experten, dessen Yeti-Bibliothek insgesamt 27 Bücher umfasst, erzählt dieses Bilderbuch etwas darüber, wie man einen Yeti findet. Es gibt zwar Menschen, die glauben, dass es keine Yetis gibt, aber in diesem humorvollen Bilderbuch werden wir eines Besseren belehrt und mit auf Yeti-Jagd genommen: Was braucht man alles, wenn man auf Yeti-Jagd geht? Was zieht man am besten an? Wie kann ein Hund bei der Yeti-Jagd behilflich sein?
  • Und während der Yeti-Experte mit seinem Hund Milo durch den verschneiten Winterwald streift und dabei trotz intensiver Suche mit einem Vergrößerungsglas, einer Taschenlampe, einem Fernrohr und einem leckeren Marmeladenbrot als Verpflegung keinen Yeti entdeckt, sind wir als Leser:innen Zeug:innen, wie der Yeti den kleinen Yeti-Experten auf seiner Suche beobachtet: versteckt zwischen den Bäumen, hinter einem Holzstapel und gut getarnt im Schnee. Währenddessen hat Hund Milo längst Freundschaft mit dem Yeti geschlossen.
  • Mit wenigen Worten und plakativen, farbigen Illustrationen ist es ein Leichtes, Kinder beim gemeinsamen Betrachten dieses Winter-Bilderbuchs einzubeziehen. Sie werden sich sehr darüber freuen, dass sie dem Yeti-Experten immer einen Schritt voraus sind und sich mit viel Engagement auf jeder Seite daran machen, den Yeti zu entdecken.
  • Als Gesprächseinstieg in das Buch können ein paar Jagdutensilien, Taschenlampe, Vergrößerungsglas, Fernrohr und eine saubere Unterhose („Für alle Fälle“) präsentiert werden, und die Frage angeschlossen werden: Wozu braucht man diese Gegenstände?
  • Matt Hunt: Wie man einen Yeti findet. München: Kunstmann, 2025. Ab 4 Jahren.

20.12.2025: Ich und das Fest

  • © Lauter

  • Ich und das Fest: ein Buchstabenbuch für Leseanfänger:innen
  • Was braucht man für ein gelungenes Fest? Ganz klar, nette Gäste und mindestens Kuchen und Limo! Wenn die Erwachsenen dann bloß nicht einfach nur quatschen würden, dann wäre es richtig schön! Doch die junge Protagonistin weiß Abhilfe zu schaffen: schnell besorgt sie ein paar Gegenstände und farbenfrohe Kleidung und verteilt beides an die Familienmitglieder. Mama kriegt einen Ball und eine lilane Pluderhose, Oma bekommt einen Stab und ein rosanes Tütü, das Fell des Pudels wird glattgegelt – und schon kann der Zirkus losgehen. Nur der Opa, der drückt sich vor seiner Aufgabe und geht erstmal aufs Klo. Aber Paul und sein Pudel Ben legen sich dafür umso mehr ins Zeug. Als der Opa wie immer eindöst, wird er bunt angemalt.
  • In diesem Buchstabenbuch, dessen Geschichte nur aus Wörtern mit höchstens vier Buchstaben besteht, wird ein kunterbunter und lustiger Nachmittag in Szene gesetzt. Sicherlich können alle Leser:innen sich in die Protagonistin hineinversetzen, die als einziges Kind auf einer Familienfeier zwischen den Erwachsenen sitzt und sich langweilt. Die Autorin hat die kurzen Texte mit großflächigen bunten Bildern unterlegt, auf denen es viel zu sehen gibt. Eine weitere Besonderheit ist, dass das Buch sowohl in NUR GROßBUCHSTABEN als auch in Groß- und Kleinbuchstaben verfügbar ist. Zusammen mit der geringen Anzahl an Buchstaben pro Wort haben so auch Leseanfänger:innen oder wenig routinierte Lerner:innen Freude beim Erlesen dieser und weiterer Geschichten.
  • Inge Bosse: Ich und das Fest. Wolfenbüttel: Lauter, 2023. Ab 3 Jahren.

21.12.2025: Wie ich mein erstes Date (fast nicht) überlebte

  • © Gulliver von Beltz & Gelberg

  • Wie man (k)eine Freundin findet
  • „Hast du gerade gefurzt?“ – so legt Tom los, um ein Mädchen auf einer Party kennenzulernen. Kein Wunder, dass Tom ohne neue Bekanntschaft, dafür aber bereits nach etwas mehr als einer Stunde die Party wieder verlassen muss. Ein paar Tage später ergibt sich eine neue Gelegenheit endlich eine Freundin zu ergattern. Toms beste Freundin Kira trennt sich von ihrem Freund. Aber: Kira will nicht. Rettung in höchster Not verspricht sich Toms Schwester von einer neuen Dating-App für Schüler:innen. Und damit Tom nicht wieder alles versaut, erstellt sie gemeinsam mit ihrem Freund Toms Profil. Aus Tom wird Tommy, der angeblich in einer Band spielt und nie lächelt – jedenfalls nicht auf Fotos. Tom soll hot sein und nicht süß oder gar kitschig. Tatsächlich ergeben sich Treffer und bald steht das erste Date mit Tanja an, die aussieht wie ein Model. Tom kann sein Glück kaum fassen, wird auf dem Date aber recht schnell eines Besseren belehrt.
  • Pete Johnsons unterhaltsames „Wie ich mein erstes Date (fast nicht) überlebte“ bedient sich typischer Merkmale sogenannter Romcoms. Wunderbar ist der unbeholfene Tom, der zunächst für so manchen Fremdschäm-Moment sorgt und für den (erwachsene) Leser:innen trotzdem große Sympathie entwickeln, wenn sie sich noch daran erinnern können, wie furchtbar schwer es doch war (und immer noch ist) jemanden kennenzulernen. Amüsant wird es besonders immer dann, wenn Tom mal wieder die Welt nicht versteht und das sehr lakonisch auch zum Ausdruck bringt. Dass der Autor Tom erzählen lässt, ist eine gute Entscheidung, gibt es doch genug Romane dieser Sparte, die die weibliche Perspektive anbieten.
  • Neben der Suche nach einer Liebesbeziehung bietet der Roman noch ein anderes großes Gesprächsthema an: Identität in den sozialen Medien. Das beginnt mit dem gefakten Profil Toms und setzt sich als Variation in der stetigen Dokumentation des eigenen Lebens mittels Selfies fort. Jugendliche Leser:innen werden sicherlich diverse Situationen aus der eigenen Lebenswelt wiedererkennen. Toms Irritation ob seiner eigenen neuen Persönlichkeit und der stetigen Knipserei Tanjas lässt vielleicht auch jugendliche Leser:innen innehalten und nachdenklich werden.
  • Erschienen ist Johnsons Roman in der Reihe „super lesbar“ (Gulliver). Der Titel der Reihe ist Programm: Der geringe Textumfang (gerade mal 56 Seiten), viel Weißraum auf jeder Seite, die große, gut lesbare Schrift und einfache Sprache sind für schwache Leser:innen sehr gut zu bewältigen und sorgen für ein erfolgreiches Leseerlebnis. Dass dies zudem auch noch sehr lustig ist, ist ein Bonuspunkt!
  • Pete Johnson: Wie ich mein erstes Date (fast nicht) überlebte. Weinheim: Gulliver von Beltz & Gelberg, 2022. Ab 13 Jahren.

22.12.2025: Pass auf!

  • © Freies Geistesleben

  • Pass auf! Ein Winter-Bilderbuchspaß ohne Worte
  • Es ist Winter: Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, schauen aus dem Fenster in die verschneite Landschaft. Das Mädchen entdeckt einen kleinen schwarzen Vogel, der allein unter einem Baum steht. Und es tauchen noch drei pinke Hasen auf, auf die der Junge zeigt. Doch dann erfährt die an sich beschauliche Situation eine unerwartete Dramatik. Eine Katze schleicht sich an. „Oh nein! Vorsicht! Aufpassen! Gefahr droht!“ Die Bestürzung der Kinder wird in ihrer Mimik deutlich. Doch dann! „Was ist das?“ Ein Bär taucht auf und vertreibt die Katze. „Glück gehabt!“ Und dann hat der Bär einen der Hasen im Maul … Die Kinder sind entsetzt und laufen nach draußen, um den Hasen zu retten. Und wieder erfährt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Als die Kinder in der verschneiten Winterlandschaft stehen, sind die Tiere plötzlich verschwunden. Sie drehen sich zum Haus um. Und wer steht da hinter der Fensterscheibe? Alle Tiere, die den Kindern mit einem warmen Getränk fröhlich zuwinken.
  • Dem Autor gelingt es, diese spannende Bilderbuchgeschichte, die immer anders verläuft, als es der Leser bzw. die Leserin erwartet, ohne Worte mit plakativen Illustrationen ohne Details in kontrastreichen Farben zu erzählen.
  • Die Geschichte eignet sich hervorragend, sie in eigenen Worten oder sogar mit eigenen Bildern wiederzugeben. Dazu kann ein Kamishibai eingesetzt werden. Sie kann auch in einen Comic verwandelt werden, indem man Post-It-Zettel in das Buch klebt und mit den entsprechenden Texten (Ausrufe! Gedanken!) versieht. Die Anleitung dazu und weitere Ideen für textlose Bilderbücher stehen unter https://www.alf-hannover.de/materialien/praxistipps/bilderbuchrallye
  • Silvia Borando: Pass auf! Stuttgart: Freies Geistesleben, 2019. Ab 4 Jahren.

23.12.2025: Ein Schaf fürs Leben

  • © Oetinger

  • Eine Freundschaft fürs Leben
  • „Es war ein kalter Winterabend…“ – so beginnt die Geschichte von Wolf und Schaf, die sich auf einem einsamen Bauernhof begegnen. Der Wolf ist hungrig, das Schaf – so scheint es zunächst – dumm und unerfahren. Jedenfalls erkennt es die Absicht des Wolfs nicht. Aber auch der Wolf begeht einen großen Fehler. Er verwickelt sein zukünftiges Essen in ein Gespräch und überredet das Schaf zu einer gemeinsamen Schlittenfahrt durch die verschneite Landschaft. Am Ende will er es dann verspeisen. Doch während ihrer gemeinsamen Abenteuerfahrt durch die Winternacht entwickelt sich zwischen beiden eine tiefere Verbindung. Dann geschieht etwas Unerwartetes: Auf einem zugefrorenen See, auf dem die beiden Seilspringen, um sich aufzuwärmen, bricht das Eis und der Wolf taucht unter. Das Schaf erweist sich hier als sehr patent: Mit dem Seil zieht es den Wolf aus dem kalten Wasser, bringt ihn in eine Hütte, in der er vom Schaf bestens versorgt wird, und rettet ihm so das Leben. Doch was ist am nächsten Morgen mit dem Wolf, wenn er wieder auftaucht und hungrig ist?
  • Ein wunderbares Vorleseabenteuer für Kinder von sechs bis zehn Jahren, gerade jetzt im Winter. Mit Illustrationen in Collagetechnik.
  • *Maritgen Matter, Anke Faust: Ein Schaf fürs Leben. Hamburg: Oetinger, 2003. Ab 6 Jahren.

24.12.2025 - Heiligabend: Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten

  • © Thienemann

  • Was hat es mit dem mysteriösen Kasper Hauser auf sich? Ein spannender Jugendroman
  • Es ist das Jahr 1829, als Greta mit ihrem Vater, dem berühmten Kriminologen Dr. Grimaldi, von Italien nach Nürnberg reist, um dort einen Mord zu verhindern und ein Geheimnis aufzuklären. Denn in Nürnberg lebt ein junger Mann, der keine Vergangenheit hat, und von dem niemand weiß, was die Zukunft ihm bringen wird: Kaspar Hauser. Angeblich hat er sein ganzes Leben abgeschottet in einem Kellerraum verbracht, ohne je mit anderen Menschen Kontakt gehabt zu haben. Das einzige, was er dabeihatte, war ein kurzer Brief, dass man sich seiner annehmen möge. Aber vor kurzem sind Todesdrohungen gegen Kaspar Hauser aufgetaucht, die Dr. Grimaldi und seine Tochter nun untersuchen sollen, um so den scheinbar geplanten Mord an dem Findelkind zu verhindern. Die Grimaldis und besonders die junge Greta decken im Zuge ihrer Ermittlungen allerlei Geheimnisse, Lügen und Täuschungen auf.
  • Mit Greta Grimaldi erhält die bekannte Geschichte um den mysteriösen Kaspar Hauser eine neue Perspektive mit einer starken, jungen und weiblichen Hauptfigur. Morosinotto hält die Spannung gekonnt bis zum Schluss aufrecht, mehrere Geheimnisse werden erst spät gelüftet, sodass die Leser:innen versuchen, selbst auf die Lösungen zu kommen. In vielen Kapiteln sind ganzseitige Illustrationen von Nachrichten und besonderen Gegenständen, die in dem Kriminalfall eine Rolle spielen, eingesetzt, wodurch das Miträtseln noch greifbarer wird. Ein spannender Jugendroman, der durch den Untertitel Hoffnung auf Folgebände macht. Sicherlich ist er eine gute Sommerlektüre für den Julius Club.
  • Davide Morosinotto: Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten. Stuttgart: Thienemann, 2025. Ab 12 Jahren.