Bevor der Himmel reißt
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Eine kleine Stadt, zwei indische Imbisse und zwei Teenagerleben
  • Heer und Dilly sind die Kinder der zwei indischen Imbisse in Piesnitz, leben und arbeiten gegenüber von einander und gehen zur selben Schule – haben aber noch nie miteinander zu tun gehabt. Heer ist nach dem Tod ihres Vaters verzweifelt, Dilly überangepasst an den Erwartungsdruck seines Vaters. Durch eine junge Aktivistengruppe gelingt es beiden, sich aus ihren Familienkonstellationen zu emanzipieren.
  • Heer und Dilly sind es von klein auf gewöhnt, dass das Familienleben der Arbeit im Imbiss untergeordnet wird , dass kein Urlaub möglich ist, dass die Hausaufgaben im Laden erledigt werden und sie schon als Kinder dort mithelfen. Während Dilly sich bemüht, möglichst angepasst zu sein und nicht aufzufallen (was ziemlich schwer ist, wenn man einen Turban trägt), ist Heer impulsiver, besonders seit ihr Vater bei einer Auslieferungsfahrt infolge eines Unfalls verstorben war. Ihre Mutter verlässt danach nicht mehr das Haus, der Onkel ohne Arbeitserlaubnis führt den Imbiss weiter und alles wichtige bleibt plötzlich an Heer hängen. Dilly sieht ihre Schwierigkeiten und möchte helfen, weiß aber nicht, wie er sich ihr nähern soll. Schließlich treffen beide in einer lokalen Aktivist:innengruppe, die Piesnitz grün und bunt halten und gegen Beton und Rechtsdenken verteidigen will, zusammen. Ein zartes Band entwickelt sich, das Heer aber ein ums andere Mal zerreißt – bis Dilly mit seiner Beständigkeit doch zu ihr durchdringt und es vielleicht sogar mehr als Freundschaft werden könnte.
  • Amani Padda, die selbst aus einer Einwandererfamilie stammt und in Sachsen aufgewachsen ist, beschönt die Härten und Unglücke, denen sich Heers und Dillys Familien ausgesetzt sehen, nicht. Dem Traum, es in Deutschland zu einem besseren Lebensstandard zu schaffen, wird alles andere untergeordnet, auch das persönliche Glück der Kinder, das ursprünglich das Ziel aller Anstrengungen war. Die Last dieser Verantwortung – den höheren Lebensstandard wertzuschätzen, glücklich zu sein, in allem gut bis sehr gut zu sein – ist bei beiden Protagonist:innen spürbar, wobei es Padda gelingt, zwei ganz unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen. Was soll Dilly tun, als sein bester Freund sich einer rechten Gruppierung anschließt? Kann er überhaupt rechts sein, wenn er sein Freund ist? Heer wiederum bestraft ihre beste Freundin, als diese in ihrem Auslandsjahr nichts vom Unfalltod ihres Vaters weiß und deshalb nicht für sie da ist.
  • Padda erklärt in ihrem Nachwort, dass sie mit der Geschichte von Heer und Dilly den Fokus auf diejenigen legen will, die in den Debatten über die politische Gesellschaft in Ostdeutschland oft vergessen werden: Einwander:innen erster, zweiter oder dritter Generation wie sie, die ebenfalls ein Teil dieser Gesellschaft sind, aber viel zu selten gehört werden. Mit diesem Jugendroman verhilft sie den Themen Rassismus und Migration zu mehr Gehör.

  • Amani Padda: Bevor der Himmel reißt. Zürich: Arctis, 2026. Ab 14 Jahren.