Louder than Hunger
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Schonungslos und hoffnungsvoll: Wie die Stimme der Magersucht lauter als der Hunger ist
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In „Louder than Hunger“ erleben Leser:innen aus der Perspektive von Jake, wie sein Leben von der Stimme in seinem Kopf gesteuert wird. Die Stimme sagt: „Du bist nichts wert. Keiner liebt dich. Du nimmst zu viel Platz ein. Du darfst nicht essen.“ Und so wird Jake immer dünner. So dünn, dass er Herzprobleme bekommt und im Rollstuhl sitzen muss. So dünn, dass er künstlich ernährt werden muss, damit er nicht stirbt. 313 Tage wird Jake in einer stationären Einrichtung um sein Leben kämpfen, wird lernen, sich selbst zu erlauben zu leben und glücklich zu sein. Er wird lernen, die laute Stimme in seinem Inneren zurückzudrängen und wieder die Kontrolle über sein Leben zu übernehmen.
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Schonungslos beschreibt John Schu Jakes Weg durch die Magersucht: die zermürbenden Zwangsgedanken, die für nichts anderes mehr Raum lassen in Jakes Kopf; die Lügen, die ihn vor dem Feind, dem Essen, schützen sollen; die Einsamkeit, weil er sich niemandem anvertrauen kann. Dies gelingt Schu so authentisch, weil er selbst als Kind magersüchtig war. Und weil Schu seine Krankheit überwunden hat, zieht auch in Jakes Geschichte irgendwann die Hoffnung ein – und nimmt zu.
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Auf 514 Seiten, die von Anfang an ein Pageturner sind, begleiten wir Jake durch seine Tage und sein Tagebuch. Er ist ein sensibler, kreativer und künstlerisch begabter Junge mit großer Liebe für Musicals. Diese künstlerische Ader zeigt sich in seinen Tagebucheinträgen. Die Wörter transportieren den Inhalt nicht nur durch ihre Bedeutung, sondern auch durch ihre Gestaltung: Sitzen die Kinder im Stuhlkreis, so sind auch die Wörter in einer Spirale angeordnet. Möchte Jake am liebsten verschwinden, dann verblasst auch das Wort immer weiter. Schreit die Stimme in seinem Kopf, nehmen die Buchstaben viel Raum ein. Der wenige Text auf den Seiten zeichnet ein Bild und verleiht den Aussagen so noch mehr Gewicht.
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Dieser Roman ist zugleich schonungslos in seiner Innenschau als auch hoffnungsvoll, indem er den langen und beschwerlichen Weg zur Genesung von einer potenziell tödlichen Krankheit aufzeigt. Dass das Thema uns alle angeht, verdeutlichen die Zahlen der BZgA. Demnach leiden von 1000 Frauen und Mädchen etwa 28 an einer Essstörung und von 1000 Männern und Jungen etwa 10. Deshalb hat der Verlag nach dem sehr persönlichen Nachwort des Autors eine Liste mit Anlaufstellen für von Essstörungen Betroffene abgedruckt.
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Dieser Roman sensibilisiert für eine gesellschaftliche Erkrankung, die in allen Altersgruppen und sozialen Schichten vorkommt. Deshalb sollte er in jeder Bibliothek stehen.
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John Schu: Louder Than Hunger. Frankfurt am Main: Fischer Sauerländer, 2025. Ab 12 Jahren.