Wut
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Geister in der Atmosphäre, Wut auf der Erde
  • Zwischen Himmel und Erde gibt es Vieles, das wir nicht erklären können. Zum Beispiel ein Summen, das direkt von der Erde selbst zu kommen scheint. So beschreibt es zumindest Cassie, die es als einzige hören kann. Und während es in der Ionosphäre hoch über unseren Köpfen zu roten und blauen Blitzen von elektrischen Entladungen kommt, zuckt es hier unten auf der Erde auch in Cassie – und in ihrem Vater und in vielen anderen Menschen. Wut ist es, die viele über die Coronamaßnahmen, vor allem über den Lockdown, empfinden. Wut auch über die vielen kleinen und größeren Ungerechtigkeiten, die jeder Mensch erlebt. Cassies Vater ist wütend, dass die Erde als Lebensort nicht mehr zu retten ist. Fitz ist wütend, weil seine Mutter ihn und seinen Vater verlassen hat. Und er ist wütend, weil er sich nicht besser um Cassie gekümmert, sondern sie alleingelassen hat. Als Cassie verschwindet und die Polizei nach ihr sucht, resümiert Fitz: „‘Fang von vorne an‘, sagen immer alle. So viele Leute sagen das. ‚Erzähl die Geschichte einfach von Beginn an.‘ Aber wer weiß denn, womit etwas wirklich losgeht?‘“ Doch er findet einen Hinweis, der allen anderen entgeht.
  • In diesem Jugendroman aus der bekannten Reihe „Super lesbar“ beim Beltz-Verlag spielt die Wut nur eine leise Rolle. Sie entlädt sich nicht durch große Aggressionen oder Taten, sondern zieht sich durch das Leben der Protagonistin Cassie. Kurz scheint es, als würde sie sich ihrer Verzweiflung hingeben, aber dann wird aus der Wut ein Wendepunkt. Sedgwick versteht es, mit leisen Tönen und komprimierter Handlung einen Ausweg aus verzweifelten Lagen aufzuzeigen – und bei allem die versöhnende Macht der Musik einfließen zu lassen. Auch für Jugendliche, die nicht so leseaffin sind, gut lesbar.

  • Marcus Sedgwick: Wut. Weinheim Basel: Gulliver, 2024. (Super lesbar). Ab 13 Jahre.