Das Projekt lebt von der Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Institutionen. Die Schüler:innen beschäftigen sich einzeln mit der Geschichte eines im Holocaust ermordeten Kindes oder Jugendlichen und erstellen eine Biografie dazu, wodurch ein persönlicher Bezug und Empathie zum Thema aufgebaut wird. Anschließend bemalen sie einen Keramik-Schmetterling, der später in der Schule ausgestellt wird. Dadurch wird auch für Schüler:innen und Vorbeigehende, die nicht am Projekt teilgenommen haben, ein Bewusstsein für den Holocaust und die ermordeten Kinder geschaffen und fördert das Gespräch über damals und heute.
Das Schmetterlingsprojekt wurde 2006 von der Lehrerin Jan Landau und der Künstlerin Cheryl Rattner Price in der San Diego Jewish Academy (SDJA) gegründet. Inspiriert wurde es unter anderem von der Bauhaus-Künstlerin Friedel Dicker-Brandeis, die in Auschwitz ermordet wurde. 2007 wurde von Überlebenden des Holocausts der erste Schmetterling in der SDJA erschaffen.
Inzwischen haben mehr als 200 Institutionen an dem Projekt teilgenommen. Teilnahmen an dem Projekt gibt es unter anderem in den USA, Kanada, Mexiko, Israel, Australien, Frankreich, Tansania, Kuba, Marokko und Polen. Seit 2018 ist es auch in Deutschland vertreten.
Wir haben tolle Schüler:innen an der Elsa. Die Reaktionen auf das Projekt und das Engagement der Schüler:innen hat aber auch uns überrascht. Das Projekt ist deshalb so besonders, weil es Schüler:innen, Kolleg:innen und auch Besucher:innen gleichermaßen, aber auf unterschiedlichen Ebenen ansprechen kann. Die Schüler:innen der Elsa haben einen konkreten regionalen Bezug. Einige wohnen beispielsweise fast Tür an Tür mit einem Stolperstein und erfahren meist so zum ersten Mal durch die Verknüpfung, dass der Holocaust mitten in der Gesellschaft geschehen konnte. Innerhalb der Schulöffentlichkeit wird ein nachhaltiges, omnipräsentes Zeichen der Erinnerung gesetzt. Während des Projekts setzen sich die Schüler:innen dabei nicht nur mit der Recherche (und deren Grenze) auseinander, sondern auch auf einer emphatischen wie auch künstlerischen Ebene.
Weltweit sollen 1,5 Millionen Schmetterlinge gestaltet werden - einer für jedes Kind, das im Holocaust ermordet wurde. So soll die Geschichte des Holocausts durch Kunst und Gedenken altersgerecht vermittelt werden. Schüler:innen werden über die Folgen von Hass und Intoleranz aufgeklärt und in ihnen wird Empathie und soziales Verantwortungsbewusstsein geweckt, sodass sie mit Mut für Respekt, Toleranz und Hoffnung in die zukünftige Welt gehen.
Die Inspiration für den Schmetterling als Symbol ist das Gedicht „The Butterfly“ von Pavel Friedmann, der es als Gefangener im Konzentrationslager Theresienstadt schrieb. Er war 21 Jahre alt, als er im April 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde. Auf einem Stück Papier verfasst er im KZ Theresienstadt das Gedicht "The Butterfly". Friedmann wurde am 29. September 1942 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde.
Das Projekt begann an der Elsa im Schuljahr 2021/22 - mitten in der Corona-Pandemie. Ein Besuch in einer Mahn- und Gedenkstätte war in dieser Zeit schwierig. Das Schmetterlings-Projekt wurde zu einer Alternative. Schüler:innen aus dem damaligen 10. Jahrgang recherchierten zu Biographien deutsch-jüdischer Kinder und gestalteten einen Schmetterling. Auch eine Gedenkveranstaltung wurde durchgeführt.
Inzwischen können die Besuche in Mahn- und Gedenkstätten wieder stattfinden. Und der damalige 10. Jahrgang hat sein Abitur.
Die Schmetterlinge sind aber nicht mehr aus der Elsa wegzudenken.