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Ratgeber Mobbing - Perspektiven für Eltern

Sicking Kirsten

Definition1

Was ist Mobbing?

  • Mobbing ist die bei weitem häufigste Gewaltform an allen deutschen Schulen.
  • Zum Mobbing gehört z.B. andere auslachen, beschimpfen, gemeine Gerüchte verbreiten, das Verstecken oder Zerstören von Eigentum, andere zu demütigen oder sogar körperliche Gewalt gegen sie anzuwenden.
  • Mobbing bedeutet:
    • Man steht alleine einer Gruppe gegenüber.
    • Man wird häufiger und über einen längeren Zeitraum (mindestens 1x pro Woche) „geärgert“.
    • Man weiß sich alleine nicht mehr zu helfen und kommt nicht aus eigener Kraft gegen die Übermacht an.

Beteiligte2

Wer ist beteiligt?

  • Meistens sind nur wenige Kinder bzw. Jugendliche an der Mobbing-Situation aktiv beteiligt, die übrigen sehen als Mitläufer unbeteiligt zu.
    Mobbing findet sich in allen Jahrgangsstufen, aber je älter man wird, desto stabiler wird ein Mobbing-Fall. Daher sollte man möglichst schnell dagegen vorgehen, am besten, so lange das Mobbing noch im Anfangsstadium ist.

Wer ist betroffen?

  • Grundsätzlich kann jede/r von Mobbing betroffen sein, es gibt keine typischen Merkmale, die jemanden zum „Opfer“ werden lassen!
  • Fest steht: Ihr Kind ist nicht schuld an dieser Situation, so etwas kann jeden treffen! Der Auslöser kann alles Mögliche sein, z.B. ein Streit über eine Kleinigkeit. Oftmals suchen aber die Mobber auch nur nach einer Gelegenheit, eigenen Frust abzureagieren, und die Betroffenen haben gar nichts damit zu tun.
  • Den wenigsten Schülern sind die Folgen ihres Handelns bewusst. Daher werden sie im Regelfall leider auch nicht helfen. Hinzu kommt, dass viele vielleicht selber Angst haben, gemobbt zu werden, wenn sie helfen.
  • Muss sich Ihr Kind verändern?
  • Auf keinen Fall! Wenn es sich den Wünschen der Mobber anpasst, sehen sie sich nur bestätigt. Ihr Kind soll so bleiben, wie es ist, so ist es genau richtig!

Wird mein Kind gemobbt?2

  • Signale:
    • Kommt Ihr Kind bedrückt nach Hause oder ist häufiger launisch und aggressiv?
    • Zeigt es plötzlich ungewöhnliche Verhaltensweisen (Rückzug ins Zimmer, ungewöhnlich hoher Medienkonsum)?
    • Zieht sich Ihr Kind immer mehr in sich zurück, trifft es sich nicht mehr mit Freunden, erhält es keine Einladungen (z.B. zu Geburtstagsfeiern)?
    • Wirkt Ihr Kind unsicher, nimmt sein Selbstwertgefühl ab, fallen seine schulischen Leistungen deutlich ab?
    • Will Ihr Kind nicht mehr in die Schule gehen, fühlt es sich z.B. morgens oder auch insgesamt häufiger krank? Oder möchte Ihr Kind plötzlich nicht mehr Bus, Bahn oder mit anderen zusammen Fahrrad fahren?
    • Kommt Ihr Kind mit beschädigten oder fehlenden Sachen oder fehlendem Geld nach Hause?

Was tun, wenn solche Merkmale auf mein Kind zutreffen?

  • 1. Das Gespräch suchen:
    • Führen Sie in ruhiger Atmosphäre ein Gespräch mit Ihrem Kind, hören Sie aufmerksam zu und nehmen Sie das Problem ernst (nicht verharmlosen!), seien Sie einfühlsam und lassen Sie Ihrem Kind Zeit.
    • Bleiben Sie möglichst ruhig und gefasst. Versuchen Sie, möglichst genaue Informationen zu bekommen, notieren Sie evtl. Einzelheiten.
    • Sprechen Sie Ihrem Kind Mut zu und machen Sie ihm deutlich, dass es nicht allein da steht. Machen Sie ihm auch deutlich, dass das Mobbing auf keinen Fall seine Schuld ist und dass es (schulische) Hilfe zulassen muss, weil eine Mobbing-Situation nicht alleine lösbar ist!
    • Wenn das Mobbing weniger wird, kehren Sie zum Alltag zurück und bohren Sie nicht mehr nach, fragen Sie ab und an beiläufig und allgemein nach, wie es Ihrem Kind geht.
    • Achten Sie darauf, dass Sie und Ihr Kind sich nicht zu sehr in diese Problematik hineinsteigern, lenken Sie seine/ihre Aufmerksamkeit auf die schönen Dinge im (Schul-) Alltag.
  • 2. Lösungen gemeinsam planen:
    • Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wer ihm/Ihnen in dieser Situation behilflich sein könnte. Machen Sie ihm klar, dass die Einweihung von z.B. Lehrern hier keinesfalls Petzen ist, sondern notwendige Selbsthilfe!
    • Überlegen Sie auch, ob es (vorübergehend) Orte innerhalb der Schule gibt, wo es sich sicherer fühlt, so dass es sich dort in der Pause aufhalten kann, z.B. die Schülerbücherei.
  • 3. Praktische Hilfe:
    • Suchen Sie mit Ihrem Kind nach Möglichkeiten, angestauten Frust loszuwerden (z.B. mit Hilfe eines Boxsacks).
    • Halten Sie nach Möglichkeiten Ausschau, auch im außerschulischen Rahmen das Selbstwertgefühl Ihres Kindes zu steigern (Schwimmabzeichen, Lesewettbewerbe, Selbstverteidigungskurs, Kampfsportart erlernen, usw.), Bewegung ist zumeist eine gute Möglichkeit, Wut und Ärger abzureagieren.
    • Schauen Sie auf Stärken Ihres Kindes und fördern Sie diese.
    • Unternehmen Sie ab und an zum Ausgleich nach Ihren Möglichkeiten schöne Dinge mit Ihrem Kind (aber nicht übertreiben).
    • Üben Sie selbstsicheres Auftreten mit Ihrem Kind bzw. suchen Sie sich jemandem, der Ihr Kind hierin schulen kann.
    • Überlegen Sie mit Ihrem Kind, wie es „cool“ auf dumme Sprüche und Ärgereien reagieren kann, z.B. mit Hilfe des Buches „Schlagfertig auf dem Schulhof“ (s.u.), ausleihbar in der Schülerbücherei.
  • Hilfe suchen:
    • Wird Ihr Kind gemobbt, muss die Schule dies möglichst sofort erfahren, um reagieren zu können: Das Mobbing-Problem Ihres Kindes kann am besten in der Schule gelöst werden.
  •  

Ein Mobbing-Tagebuch führen1

Mobbing-Tagebuch

Ansprechpartner2

Ansprechpartner in der Schule

    • Sprechen Sie mit Lehrer/innen Ihres Vertrauens, am besten mit dem/der Klassenlehrer/in.
    • Nehmen Sie gerne Kontakt zum Beratungsteam des BGB auf: Sie können sich jederzeit per Mail an:

      Frau Möller als Schulsozialarbeiterin
      oder Frau Sickung oder Frau Twiehoff als Beratungslehrerinnen
      wenden.
  • Jede Beratung unterliegt der Schweigepflicht. Alles ist absolut freiwillig und geschieht mit dem Einverständnis Ihres Kindes.
    Das weitere Vorgehen wird mit ihm gemeinsam und in seinem Sinn geplant.

Ansprechpartner außerhalb der Schule

Verfahren am Burg-Gymnasium1

Verfahren am Burg-Gymnasium

Links zur Ersten Hilfe1

Strategien gegen Mobbing

Quellen1

  • E. Zöller, A. Schick & A. Bischoff: Unschlagbar. Das Buch, das dich gegen Gewalt stark macht. ISBN: 978-3-596-85320-5
  • Jannan, M.: Das Anti-Mobbing-Elternheft.
  • F. Schallenberg: „…und raus bist du!“ – Mobbing unter Schülern. Was Eltern tun können.
  • M. Pöhm: Schlagfertig auf dem Schulhof. Wie man Großmäulern clever paroli bietet. ISBN: 978-3952368022